Aug 07

Wenn ich auf meiner Reise nicht selbst dabei wäre …

Heute morgen bin ich gleich nach dem Aufstehen in den „Führerbunker“ gefallen, danach mit dem Motorrad in einer „Pfütze“ versunken, später freiwillig in einen masurischen See gesprungen und abends auf dem „haunted Campground“ hat uns gleich nach dem Grillen am sommerabendlichen See ein mords Gewitter überrascht.

So nah liegen Bedrückung, Galgenhumor und wahre Freude wieder zusammen, das Leben kann eine einzige Ironie sein. Ich muss das wohl erklären. Also spät abends angekommen haben wir auf dem bedrückenden Gelände der so genannten „Wolfsschanze“ gezeltet. Gleich nach dem Frühstück im ehemaligen SS-Hotel begaben wir uns auf den Rundkurs durch das Gelände. Nr. 3 des Rundkurses war die Baracke, in der das Attentat von Claus Schenk von Stauffenberg auf Hitler gescheitert ist. Nr 13 war der Bunker in dem Hitler sozusagen gewohnt hat.

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Man durfte die Bunker natürlich nicht betreten, abgesperrt waren sie allerdings auch nicht. Wir haben in etliche die Köpfe mit der Kamera voraus hineingesteckt und blöd geschaut. Am blödesten habe aber ich geschaut als ich einen Schritt in besagte Nr 13 gesetzt habe und sofort ca. 1m hinab gerutscht bin und dabei eine Beule in die Kamera gemacht habe. Scheiß Hitler habe ich noch gedacht Sonst ist nix passiert. Danach navigierten wir weiter über Verbindungsstrasse zwischen den Dörfern. Diese sind nämlich im Vergleich zu ebenfalls existierenden Schnellstrassen viel viel schöner und ursprünglicher. Sie werden auch von Fahrzeugen befahren, denen man es gar nicht zutraut. Auch wenn man der Beschilderung zu einem Campingplatz folgt, findet man die tollsten Strecken:

Video Pfützenfahrt

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Aug 06

Durch Pommern und Masuren (PL)

„Allee, Allee, Allee, Allee, eine Strasse viele Bäume, ja das ist eine Allee.“ Durch Pommern nach Masuren, das ist so ähnlich wie durch die Uckermark, nur 300 km am Stück. In Polen ist die Landschaft vielleicht auch noch ein Stück ursprünglicher, weniger „Plastikschilder“ oder irgendwie so Verschandelungszeug. Man muss das auch unbedingt mit dem Geländefahrzeug machen, wenn man nicht so arg durchgeschüttelt werden will. Es geht durch endlose Felder, Dörfer mit Störchen und Kirchen, Kopfsteinpflaster und regelrechte Feldwege …. Wunderschön :-).Hier ein kleiner Eindruck der Fahrt, sowie Bilder aus Marienburg, Rastenburg und von einem sensationellen Schiffshebewerk, in dem die Schiffe eine Erhebung im Kanal mittels Bollerwagen überbrücken:

Video Pommern

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Aug 04

Von Hel nach Danzig (PL)

Diese Etappe hatte nur 80 km, von Freiburg aus habe ich aber punktgenau 2000 km erfahren. Auf dem Campingplatz in Danzig (Stogi Strand) gab es zunächst Wäsche zu trocknen, zu waschen usw.

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Die Einfahrt nach Danzig führte schon gleich an einer offen einsehbaren Werft vorbei. Atemberaubend der Anblick. Später haben wir auch noch genau das Werftgelände besucht von dem aus Lech Walesa und die „Solidarnosc“ mal Polen aus dem Ostblock geführt hat.

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Naja und natürlich Danzigs Altstadt … Besonders witzig der ehemals größte Kran zur Entladung von Schiffen. Darin waren nämlich zwei bzw. vier Hamsterräder, in denen Menschen gelaufen sind um den Flaschenzug zu betätigen. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen „Menschen im Hamsterrad“ :-).

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Aug 03

Von Darlowo nach Hel (PL)

Die kürzeste Strecke in der Nähe der Küste brachte nun hervor, warum eine Enduro von Vorteil ist, doch seht selbst:

Strassen in Polen Yuhuuu

Auch die Ankunft auf dem total überfüllten Campingplatz auf der Danzig gegenüberliegenden Halbinsel war spannend. Hier das Motorrad unseres polnischen Zeltnachbarn, der übrigens mit seiner Frau auf Hochzeitsreise war, in der rechts neben dem Motorrad abgebildeten Hochzeitssuite. Ich würde das zwar nicht unbedingt wollen, aber ich würde eine Frau heiraten wollen, die das mitmachen würde :-). Wassersport ist hier auch groß geschrieben:

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Um Euch nach diesen aufregenden Fotos den Seelenfrieden wieder zu bringen hier noch Fotos von unserem Zwischenstopp bei den Dünen von Leba:

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Aug 03

Von Ueckermünde (D) nach Darlowo (PL)

Am nächsten Tag ging es über Usedom nach Swinemünde und immer an der polnischen Ostseeküste entlang bis nach Darlowo. Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt aufgefallen, dass ich gar nichts über Stettin gesagt habe, das ist aber völlig richtig, denn da waren wir gar nicht :-). An der polnischen Küste war es eh viel spannender. Tausende und mehr polnische Touristen, die die größte Freude an zahlreichen kleinen Kirmesveranstaltungen nahe der voll ausgebuchten Campingplätze hatten. Seht der Ostseestrand :-):

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Video Grenzüberschritt und Touristensturm

Und seht unser Campingplatz der auf dem Gelände einer alten Gärtnerei entstanden ist:

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In dem Sanitärtreibhaus habe ich auch noch ein großen Teil der Nacht verbracht, nachdem ich für mein Zelt zielsicher die einzige Stelle gefunden hatte, die sich nach sintflutartigen Regenfällen in eine Art idyllischen Teich verwandelt hat. Zuerst habe ich mich gefreut, nicht mehr auf der Isomatte, sondern in einem Wasserbett mit leichte Wellenbewegungen zu schlafen, als es dann aber kalt und nass wurde habe ich mich doch dazu entschieden das knöcheltiefe Nass zurückzulassen :-). Im Treibhaus sprühte mir dann auch nur noch ganz wenig Wasser ins Gesicht 🙂

Ihr müsst unbedingt sehen, was es am Abend vor großen Regen auf dem Marktplatz von Darlowo zu sehen gab:

Video Opernsänger

Am besten war aber „griechischer Wein“ auf polnisch. Der hat auch dem Rainer aus Biberach gefallen, Pensionär, 69 Jahre und mit dem Fahrrad mit Packtaschen auf dem Weg nach Danzig:

Video griechischer Wein

Aug 03

Von Berlin nach Ueckermünde

Es fing schon viel früher an Spaß zu machen als gedacht. Torsten und ich sind nämlich über Land gefahren und zwar über Oranienburg, Zehdenick, Templin, Haßleben nach Prenzlau und damit durch die so genannte Uckermark. Torsten nannte es „meditativ“ das auf und ab durch sanftgeschwungene Wellen aus goldenen Weizenfeldern betrachtet wie ein sehr alter Kinofilm. Aufgrund der durchgängigen Alleen, erschienen die Bilder nämlich ein wenig, wie in einem alten Filmstreifen. Die Nacht am Stettiner Haff verbrachten wir in Ueckermünde, von wo aus man Usedom sehen kann. Auf dem Platz gab es frisch geräucherten Rotbarsch und man hätte zum Übernachten auch einen Bauwagen mieten können. Seht selbst: 🙂

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Jul 30

START: Paderborn – Berlin

Die ersten 1000 km sind gefahren. Da kommt man nach 14 Jahren in die Stadt in der man 5 Jahre lang gelebt hat und trifft liebe Freunde wieder. Komisch fühlt sich das an, alles ist irgendwie vertraut und doch neu. Wir waren auf dem Libori-Fest und haben ganz viel Josefs-Bier für 1,20 Euro pro Glas getrunken :-). Ich hatte das tatsächlich vergessen :-):

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Und weiter ging es nach Berlin, zu einem alten Klassenkameraden und Freund, den ich seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr wirklich gesehen habe. Wen wundert es, dass schon zwei Nachfahren da sind :-). Von Frank habe ich zu meiner tiefen inneren Beruhigung erfahren, dass man auch in Berlin recht wenig Gebrauch von den kulturellen Möglichkeiten macht, die solch eine Stadt bietet, da man eigentlich hauptsächlich arbeitet oder mit der Familie beschäftigt ist. So ist das :-):

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Berlin ist wirklich cool, insbesondere wenn man mit dem HASE-Fahrrad zu Biergärten der Berliner Sorte fährt:

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Selbst die Motorradwerkstatt ist kultig und endlich hat das Moped richtige Männerreifen und weiter geht es in das „Labyrinth des Lebens“, wie das Schild ankündigt:

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Jetzt starte ich gleich nach Stettin ….

Jun 03

Rise of the Phoenix

Fast 2 Jahre ist es her, dass ich mich hier zum letzten Mal zu Wort gemeldet habe. Nun es ist einiges passiert, dennoch kann ich nahezu nahtlos an den letzten Beitrag anknüpfen. In den letzten 2 Jahren war Arbeit :-). Sowohl meine Lehrerkollegen die mal in neue Klassen versetzt wurden, als auch Freunde die Job und/oder Firma gewechselt haben und auch die zahlreichen jungen Eltern in meinem Umfeld wissen: „Life-Work-Balance“ wird auch schon mal gerne zur „Work-Shit-and-Nothing else-Balance“ :-).

Nun, jetzt war ich jedenfalls endlich wieder surfen in „La Londe les Maures“ in Südfrankreich. Im Hintergrund sieht man häufig die Insel Porquerolle:

Hier ein paar Videos von Thomas und Dirk sowie Bilder von Friedemann, Thomas, Frank und Dirk:

Am besten zu sehen wenn man unten rechts auf das Kino-Format und HD umstellt, sonst ist das Bild so schlecht :-).

Oben hatte ich ein 4,7qm-Segel bei ca. 6 Windstärken und hier ein 6,5qm-Segel bei ca. 4 Windstärken:

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Jul 28

ENDERKENNTNIS ?

Nach dem Abschluss eines Projektes „TeilderWeltReise“ steht ganz automatisch die Frage nach einer Bilanz, einem Resümee, einer nachhaltigen Veränderung die das ganze bewirkt haben könnte, nach einer Enderkenntnis eben. Dies scheint so gewichtig, dass man sich überhaupt nicht traut, ähnlich wie bei zurückliegenden Reiseberichten, einfach drauf los zu schnattern. Die Verlockung ist groß einfach nur zu sagen, dass es maximal eine Zwischenerkenntnis gibt und dann noch ein paar nebulöse Anstöße zu irgendetwas. Ich als BWLer finde aber, dass man nebulöse und künstlerisch verschnörkelte Andeutungsgebäude abreissen sollte und durch rechtwinklige, klare und kurze Faktenaufzählungen ersetzten sollte. Selbst eine zu bildgewaltige und unnötig ideologisierte Ausdrucksweise, insbesondere in Einleitungen zu einem Eigentlichen sind mir zuwider :-). Und Smileys im Text find ich auch kacke. Also:

Selbst wenn es auf der gesamten Reise ausschliesslich geregnet hätte, so ist es doch gut, sie gemacht zu haben. Es wurde quasi eine „offene Rechnung mit dem Leben“ beglichen. Einen Teil der Reiseziele wollte ich bereits seit 25 Jahren besuchen und zwar nicht mal eben kurz, sondern mit Rucksack und offenem Zeitplan. Genau das habe ich jetzt gemacht, es kann mir niemand mehr wegnehmen und ich fühle mich befreit von der Last einer Unzufriedenheit über das eigene Unvermögen es endlich einmal zu tun. „Zahme Vögel singen von Freiheit, wilde Vögel fliegen.“

Das Gefühl, dass man hat, wenn man ganz alleine mit dem Rucksack in die Ferne stapft und insbesondere, wenn hinter der Ferne nur noch eine weitere Ferne und danach eine Ferne hinter der Ferne auf dem Plan steht, kann man nicht beschreiben. Interessant ist, das man es tun kann, ohne sich einsam zu fühlen. In allen Ländern bin ich auf Menschen gestossen, ob Einheimische oder andere Reisende, die sozusagen auf Dich warten, natürlich ohne es zu wissen. Im Endeffekt ist man doch immer irgendwie in Gesellschaft und alleine zugleich, ist man doch immer irgendwie zuhause und unterwegs, erreicht man ein Ziel und bricht unmittelbar auf zum nächsten. Getreu dem Motto „Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser geht es ohne ihr.“ stelle ich fest: Ich fand mich selber eigentlich ganz gut da draussen. Ich bin mir nun viel sicherer als zuvor, dass nicht alles was ich so mache Mist ist :-).

Nun zur Frage, ob mich die einzelnen Eindrücke für sich genommen verändert haben oder ob es ein einschneidendes Erlebnis gab. Klare Antwort: Nein. Ich bemühe hier nochmal ein Zitat aus Anne of Green Gables: „I’m not a bit changed–not really. I’m only just pruned down and branched out. The real ME–back here–is just the same.” Nach neuester Hirnforschung glaube ich, dass es auch gar nicht anders möglich ist. Selbstverständlich ist es natürlich schon so, dass der Anblick des real existierenden großflächigen Elends in Indien und ähnlich in Kambodscha und Vietnam einem dabei hilft zu erkennen wie schön es zu Hause ist. Auch im Vergleich zu den reicheren Ländern in denen ich gewesen bin muss ich folgendes feststellen: In einer schönen Altstadt zu wohnen, den Schwarzwald vor der Haustür, überhaupt viel grüne Farbe in unserer gemischten Klimazone, deutsche Bäcker und eine Auswahl an Restaurants und dann auch noch einen Job, der es ermöglicht, sich einen großen Teil davon auch leisten zu können, das muss man erstmal finden auf der Welt, das ist nicht so breit gestreut.

Und wie fühlt es sich an, zurück zu Hause, zurück im alten System zu sein? Tja, tatsächlich hat erstmal ein Postberg mit allerlei Ungemach auf mich gewartet. Die Steuererklärung, Versicherungsrechnungen, Fehlabbuchungen um die man sich kümmern muss und so weiter. Es hat mich bestimmt 10 Tage a 12 Arbeitsstunden gekostet, das Grobe zu sortieren und auf die Reihe zu bringen. Zudem habe ich eine neue Wohnung bezogen in der ich eigentlich nur das Laminat gegen einen Echtholzboden austauschen wollte, um dann einzuziehen. Wie von Geisterhand ergab eines das andere und nun wurden auch Küche und Bad inklusive allem Inventar und Fussboden zur Großbaustelle. Seit über 14 Tagen bin ich ausschliesslich von morgens bis abends auf der Baustelle. Sicherlich wundern sich schon einige, warum ich zwar zurück in Deutschland bin, mich aber noch nicht gemeldet habe. Ich kann nur sagen, es muss noch gestrichen werden, die Küche muss noch aufgebaut werden und erst danach muss noch der gesamte Einzug erfolgen, inklusive Möbeltransport aus Geldern. Ab 10. September habe ich ein ganz neues Aufgabengebiet im Job zu bewältigen, auf dass ich mich umfassend vorbereiten muss. Ich gebe zu, gegen dieses „ständige MÜSSEN unter Zeitdruck“ habe ich kein Mittel gefunden. Auf der anderen Seite, habe ich einen Großteil der Veränderungen selbst entschieden (zum Beispiel die Wohnungsumgestaltung) und so kann man auch ganz beruhigt feststellen: 8 Monate des Reisens und des Urlaubs sind vorbei, jetzt muss halt mal wieder rangeklotzt werden, so ist das und so geht es jedem. Oder?

Jul 27

KANADA – Abschlusshöhepunkt „Prince Edward Island“

Diese letzte Station der Reise war ganz bewusst gewählt. Als Teenager habe ich die auf PEI angesiedelte Mädchenbuchreihe 🙂 „Anne of Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery gelesen, welche Zitate wie die folgenden enthält:

“That’s the worst of growing up, and I’m beginning to realize it. The things you wanted so much when you were a child don’t seem half so wonderful to you when you get them.” („Das Schlimmste am erwachsen werden ist, dass die Dinge die Du als Kind am meisten wolltest nur halb so schön sind, wenn Du sie schliesslich bekommst.“)

“It’s been my experience that you can nearly always enjoy things if you make up your mind firmly that you will.” („Nach meiner Erfahrung kann man nahezu alles im Leben geniessen, wenn man sich ernsthaft genug vornimmt, es zu tun.“)

“Tomorrow is a new day with no mistakes in it… Yet.” („Jeder neue Tag ist frei von alten Fehlern.“)

Alle drei Zitate haben sich auch auf meiner Reise mehrfach bewahrheitet und es ist recht angenehm in derlei Erkenntnissen nicht alleine zu sein.

Die Bücher enthalten eine ganze Reihe von Landschaftsbeschreibungen, die mich zum größten Teil nicht enttäuscht haben. Sehet „Green Gables“, die Landschaften und insbesondere die Küstenstreifen der Heimat der Buchautorin 🙂 :

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